Aachener Zeitung, 19.06.2009

Musikalische Kreuzfahrt kommt sehr gut an

Männergesangverein "Orphea" Bardenberg und seine Gäste brillieren beim Konzert auf Burg Wilhelmstein. Sie machen es zu einem unvergesslichen Erlebnis. "Blinder Passagier" Mario Taghadossi hat Überraschungen im Gepäck.

Würselen. An Land und zu Wasser "servierte" der Männergesangverein "Orphea" Bardenberg den Besuchern seines aufwendigen, auf der "Burg" in der Regie von Chorleiter Willi König veranstalteten Konzert "Musik für Millionen". Unterstützung erhielten die rund 30 Sänger von einer Reihe von versierten Instrumental- und Gesangssolisten, die allesamt dazu beitrugen, dass die musikalische Kreuzfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis für sie alle wurde. Schade war nur, dass ob der gewittrigen Schauer vor und zu Beginn des Konzerts die Ränge nicht komplett besetzt waren. Umso mehr freute es den Vorsitzenden Hans Schunk, rund 350 Besucher - unter ihnen Bürgermeister Werner Breuer mit Ehefrau Helga - begrüßen zu können, die sich den mehr als zweistündigen Musikgenuss nicht entgehen lassen wollten.
Wie es sich für eine Kreuzfahrt gehört, machte der Chor flott mit Seemannsliedern die Leinen los, begleitet von Kerstin Orgeich auf dem Schifferklavier. Während der Chor ein Gläschen Chianti-Wein einschenkte, intonierte der "blinde Passagier" Mario Taghadossi (Bariton) italienische Ohrwürmer im Belcanto-Stil, temperamentvoll genüsslich und ganz nach dem Geschmack des Publikums. Als Kontrast dazu stimmte der Chor zwei stimmungsvolle Volkslieder von der Liebe aus Kroatien und Dalmatien an. Einfühlsam trug der Chor "Mala Moja" und "Kad si billa mal mare" vor, wobei der Chorleiter recht hohe Ansprüche an seine Sänger stellte. Nicht zuletzt auch beim "Griechischen Wein" aus der Feder von Udo Jürgens. Am Schwarzen Meer brachte der Chor die beiden Seiten der slawischen Volksseele durch einen Kurt-Lissmann-Titel zum Schwingen und Klingen. Einen weiteren Kontrapunkt setzte der Bariton als Milchmann aus dem Musical "Anatevka".
Beim Abstecher ins Opernhaus von Odessa kam Mozarts "Zauberflöte" in höchsten Tönen zu Ehren. Eine erste Kostprobe ihrer gesanglichen Qualitäten lieferte Jolanta Kosira - nicht zuletzt durch ihre Koloraturen - ab und machte im Verein mit dem Bariton Appetit auf mehr.
Im Papageno-Papagena-Duett stellten beide Solisten neben ihren gesanglichen auch ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis. Mit "Das klinget so herrlich" präsentierte sich der Chor, am Klavier begleitet vom kleinen Mozart Nikolas König und untermalt von Rudolf Zeleznik auf der Lyra, als harmonischer Klangkörper. Die Begleitung auf dem Flügel besorgte die virtuose Pianistin Katja Schönafinger. Bei "Ein Freund, ein guter Freund" holte Taghadossi seinen Freund Rudolf Moos mit ins Boot. Gemeinsam schmetterten sie das "Granada" von Augustin Lara.
Auf dem Schiff kamen aber auch Operettenmelodien von Franz Lehar, Emmerich Kalmann und Robert Stolz, mal solistisch und mal im Duett vorgetragen, groß heraus. Einen weiteren farbigen Tupfer setzten der Chor mit der "Spanischen Serenade" von Friedrich Zimmer und der Bariton mit spanischen "Gassenhauern". Mario Taghadossi war in seinem Element. Mit "Ich war noch niemals in New York" spannten die Sänger die Brücke über den großen Teich an den "Broadway". "Ich hätt' getanzt heut' Nacht" brachte Jolanta Kosira die Gefühle der Eliza ("My fair Lady") herzerfrischend auf den Punkt. "Nur ein Zimmerchen irgendwo" besang der Chor.
Eine weitere Überraschung hatte Taghadossi im Gepäck, seine achtjährige Gesangsschülerin Larissa mit "I will always love you", dem Welthit von Whitney Houston. Da durfte das "Phantom der Oper" von Andrew Lloyd Wbber nicht fehlen.
Einen temperamentvollen Schlusspunkt setzte der Chor mit dem "Can-Can" von Jacques Offenbach und nicht minder mit dem "Fliegermarsch" von Hermann Dostal als Zugabe.