Aachener Zeitung, 20.10.2007

Nie zu Hause, nur im Chor

Jubilar Josef Hambloch

Josef Hambloch aus Bardenberg singt seit 70 Jahren. Ehrung des Sängerkreises.

Kreis Aachen. Genau eine CD hat Josef Hambloch im Schrank. Und wer singt darauf? Er selbst. Die Aufnahme seines jüngsten Auftritts mit dem Bardenberger Männergesangverein "Orphea" genießt der 82-jährige immer wieder gern. "Wir waren unglaublich gut an diesem Tag." Es ist nicht das einzige Konzert, an das er sich mit einem zufriedenen Lächeln erinnert. Sehr viele hat er erlebt im Lauf von 70 Jahren. "Ich bin immer noch mit dem Herzen dabei", sagt er. "Wenn man nicht aus tiefstem Herzen singt, hat es gar keinen Zweck."
Es ist eine Mischung aus Leidenschaft und Disziplin, die ihn antreibt. "Wer ist garantiert auf jeder Chorprobe? Ich alter Sack!" Ohne wirklich guten Grund würde er nie eine verpassen. "Ich liebe diese Gemeinschaft. Wenn die eine Stimme die andere mitreißt, ist das stets ein ganz besonderes Gefühl." Zum Solisten tauge er daher nicht. So kann er sich nicht daran erinnern, seinen beiden Söhnen oder der Tochter einmal ein Schlaflied vorgesungen zu haben. "Zu Hause singen? Nein, das habe ich immer nur im Chor getan."
Der gebürtige Bardenberger, der Wert darauf legt, nicht als Würselener bezeichnet zu werden, stammt dabei nicht einmal aus einer musikalischen Familie. "Musik war bei uns früher nie ein Thema." Doch der Dirigent des damaligen Kirchenchors St.Peter und Paul wohnte bloß ein paar Häuser weiter und hat das Potenzial in der Stimme des Zwölfjährigen erkannt. "Der hat mich und ein paar andere Jungs dafür begeistert, einen Kirchenchor zu gründen." Sehr lange hat dieser allerdings nicht existiert. "Plötzlich kamen alle in den Stimmbruch, da war's vorbei."
Der junge Josef Hambloch wechselte mit gerade mal 14 Jahren in den großen Chor und blieb dort, bis er 1943 die Einberufung erhielt. Nach Arbeitsdienst in Südfrankreich und einer schweren Verwundung wurde er bereits im November 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen. "Ich war gerade eine Woche zu Hause, als ich meinen alten Dirigenten getroffen habe." Der baute damals mit den Überlebenden des Kirchenchors und des weltlichen Chors "Eintracht" das auf, was einmal "Orphea" heißen sollte. Und schon hatte die Musik Josef Hambloch wieder. "Seit Beginn bin ich jetzt also dabei, eine wirklich lange Zeit."
Längst ist er Ehrenmitglied des Männergesangvereins, dessen stellvertretender Vorsitzender er viele Jahre war. Am Freitag, 26.Oktober, wird er für sein 70-jähriges Engagement im Krönungssaal des Aachener Rathauses vom Sängerkreis Aachen geehrt. Er will das auch als Ansporn nehmen, weiterhin zu singen.
Was er einmal beginnt, lässt er nicht los. So schwimmt der Mann auch gern, der 27 goldene Sportabzeichen besitzt und zweimal an der Deutschen Meisterschaft im Fußball-Tennis teilgenommen hat. "Eigentlich müsste ich heute Abend in die Halle", sagt er. "Doch daraus wird wohl nichts. Mein Wagen hat heute morgen gestreikt." Zum ersten Mal in 14 Jahren.