Aachener Zeitung, 09.05.2007

Von Wagners "Meistersingern" zum Matrosenchor

Frühjahrskonzert 2007

Männergesangverein "Orphea" Bardenberg und Solist Josef Otten bieten 300 Musikfreunden höchsten Hörgenuss

Würselen. Rund 300 Besucher haben jetzt beim Frühjahrskonzert des Männergesangvereins "Orphea" Bardenberg einen Hörgenuss auf hohem Niveau erlebt. Voller Disziplin und Konzentration boten die 30 Sänger und die beiden Solisten unter der versierten Leitung von Willy Beckers und unter der brillanten Begleitung durch Rene Rolle - er war für den erkrankten Kreischordirektor Rolf Besse eingesprungen - ein tolles Konzert.
Dabei stellten die "Orphea" und der Solist Josef Otten nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst, sondern forderten vor allem im ersten Programmteil auch das Publikum, das die gebotenen Leistungen trotz der Hitze im Saal mit reichlich Beifall honorierten.
Einen weiten Bogen spannte die "Orphea", die nach längerer Zeit wieder einmal einen Gesangssolisten als Mitstreiter verpflichtet hatte, von der Oper über die Operette und das Musical bis hin zum Chanson. Erste Kostproben seiner musikalischen Qualitäten lieferte Bariton Josef Otten mit der "Sarastro"-Arie, einer von mehreren Bass-Paraderollen, ab. Mit dem in der Originalsprache intonierten Ohrwurm "Chor der Gefangenen" aus Verdis Oper "Nabucco" unternahm die "Orphea" einen gelungenen Abstecher in die italienische Oper mit ihrem Bellcanto.
Ungewöhnlich hoch legte der Chor die Messlatte mit "Wach auf" aus Wagners Oper "Die Meistersinger in Nürnberg". Seine Klangfülle gelangte erst recht beim "Matrosenchor" aus der Oper "Der fliegende Holländer" zur Entfaltung. Die ganze Hoffnungslosigkeit des "Holländers", der nur noch den Tod und die Ankunft des Jüngsten Tages herbeisehnt, brachte der Bariton in seinem langen Solovortrag auf den Punkt. Als Kontrast dazu der "Chor der Studenten" aus Jacques Offenbachs fantastischer Oper "Hoffmanns Erzählungen". Ob Bier oder Wein, der Chor schenkte seinem Publikum fröhlich ein. Seine Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit stellte der Solist ein weiteres Mal bei der Wiedergabe der Arie des dämonischen Kapitäns Dapertutto unter Beweis, eine für das Publikum auch nicht ganz leichte Kost.
Nach dem recht anspruchsvollen ersten Teil ging nach der Pause bereits beim "Chor der Gesellen" aus Albert Lortzings "Der Waffenschmied" so richtig die Post ab. Ganz ins heiter-beschwingte Bild passte die Arie des van Bett "O sancta justitia" aus Lortzings "Zar und Zimmermann". Ein von Otten für den Chor aufbereitetes "Comedian Harmonists"-Potpourri bildete den Abschluss des Konzertes. Bis hin zu "Veronika der Lenz ist da" eine wunderschöne Hommage an die legendäre Boygroup längst vergangener Tage. Das Publikum war begeistert.
Für 60-jährige beziehungsweise 70-jährige Pflege der Sangeskunst ehrte Vorsitzender Hans Schunk die Aktiven Cornel Fleu und Ehrenmitglied Josef Hambloch.