Aachener Zeitung, 22.10.2003

"Das klinget so herrlich"

Ehrung der Sänger Hans Schunk und Leo Grafen

Konzert des MGV "Orphea" Bardenberg

Würselen. Sonst gehört es zu seinen Aufgaben, die Jubilare des Männergesangvereins (MGV) "Orphea" Bardenberg auszuzeichnen. Nun wurde er während des Herbstkonzertes in der Mehrzweckhalle "Am Wilhelmstein" selbst geehrt: Vorsitzender Hans Schunk ist 50 Jahre aktiver "Orphea"-Sänger. Auf 50-jährige Mitgliedschaft im Verein konnte auch Leo Grafen zurückblicken, davon 40 Jahre als Aktiver. Gleichzeitig feierte Chorleiter Willy Beckers mit einem neu einstudierten Repertoire ein starkes Debüt.
Beckers hatte die "Orphea" vor einem Jahr nach dem Tod des verdienstvollen Dirigenten Cornel Mahr übernommen. Und er hat in Zeiten, wo der Bestand der nachwuchsarmen Männerchöre gerade nach dem Ausscheiden langjähriger Dirigenten auf harte Proben gestellt wird, Bemerkenswertes geleistet. Die "Beckers-Connection" sorgte schon im ersten Herbstkonzert für eine zukunftsweisende musikalische Blutauffrischung. Zum einen verstärkte der Chorleiter die Bardenberger mit gut einem Dutzend Stimmen des Koninglijk Mannenkoor St. Cäcilia Vaals. Zum anderen verpflichtete er mit Rolf Besse einen Klavierbegleiter, der in der Region einen guten Namen hat und gemeinsam mit Willy Beckers wertvolle musikpädagogische Arbeit in den Städtischen Chören Alsdorf leistet.

Musikalischer Streifzug

Das Zusammenspiel zwischen dem imposanten 50-köpfigen Männerchor, dem unaufdringlichen Dirigat von Willy Beckers und der aufmerksam-anpassungsfähigen Begleitung von Rolf Besse bescherte der großen Besucherschar mehrere rührende Hörerlebnisse. Nach dem weihevollen und sauber gesungenen "Chor der Priester" und der "Verheißung" aus der "Zauberflöte" hieß die nächste Mozart-Melodie nicht nur "Das klinget so herrlich". Der Titel kann auch als Lob für die Darbietung gelten: Klare Artikulation der Männerstimmen und glockenspielartige Besse-Begleitung sorgten für eine zauberhafte Atmosphäre. Einige wenige Intonationsschwächen traten nur dann auf, wenn a-cappella gesungen wurde, so beim ja auch ungemein anspruchsvollen Gebet aus Mozarts "Cosi fan tutte".
Sie machten jedoch auf Sänger und Publikum wegen der nachfolgenden schönen Darbietungen keinen nachhaltigen Eindruck. Besonders in ihrem Element zeigte sich die "Orphea" bei dem feinfühligen Potpourri slawischer Tänze von "Katjuscha" über Alexandras "Zigeuner-Junge" bis "Kalinka" und beim temperamentvollen musikalischen Streifzug durch die Operette "Maske in Blau" mit der "Julischka aus Budapest".
Der MGV Bardenberg scheint eine slawisch-osteuropäische "Ader" zu haben, die er weiter pflegen sollte. Doch auch die von Willy Beckers eingeführte "italienische Note" ist schon bemerkenswert: Der "Chor der Mönche" und der "Chor der Gefangenen" aus den Verdi-Opern "Die Macht des Schicksals" und "Nabucco" ließ keine Wünsche bei den Freunden gepflegten Chorgesangs offen.


Gute Zusammenarbeit

Bariton Mario Taghadossi beim MGV

Mario Taghadossi Würselen. Das Herbstkonzert des MGV "Orphea" Bardenberg war wieder ein gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit von motivierten Amateur-Chören und Profi-Solisten.
Mit dem Bariton Mario Taghadossi, durch seine Engagements am Stadttheater ebenso bekannt wie durch seine Solo-Galas, hatte die "Orphea" einen guten Fang gemacht. Der gebürtige Teheraner Taghadossi hat eine gut ausgebildete und sehr schöne Solo-Stimme. Diese Fähigkeit kombinierte er mit effektvollen Einlagen, die beim Publikum "zogen" und sich zum Bild des smarten Südländers verfestigten.
Wie früher Dawn Marie Flynn bildete nun Katja Schönafinger die passende musikalisch-optische Ergänzung zu Taghadossi - aber nicht, wie das Outfit zunächst vermuten ließ, als seine neue Sopran-Partnerin, sondern als ihn begleitende Konzertpianistin.
Ob bei der köstlichen Figaro-Arie aus Rossinis "Barbier von Sevilla", "La donna e mobile" aus Verdis "Rigoletto", "Dein ist mein ganzes Herz" aus Lehars "Land des Lächelns", "Granada" oder beim Chianti-Lied sowie dem "Funiculi, Funicula" gemeinsam mit dem BGV Berdenberg: Mario Taghadossi eroberte die Herzen vor allem des weiblichen Publikums.
Die sentimentale Abschiedsstimmung beim "Time to say goodbye" ließ winkende Hände sichtbar werden.